Liebe für Baltikum im Urlaub entdeckt

Pastor Matthias Burghardt

Foto: Isabell Massel

(Februar 2001) Schon bei seinen ersten Sätzen wird deutlich, dass Lettland für Matthias Burghardt mehr als eine bloße Arbeitsstätte ist. Der junge Mann, der vor einem halben Jahr als Pastor nach Riga ging, schwärmt geradezu von Land und Leuten. Auf seinem ersten Heimaturlaub besuchte Burghardt auch die Gemeinde Wendeburg, in der er zuvor Vikar war.

Mit Hilfe von Dias und einer auf eine Tafel gezeichnete Landkarte Lettlands erzählte er einem ganz neuen Leben. "Ich bin überglücklich und froh, dass ich nach Lettland gegangen bin", sagte der Pastor. Seine Liebe für das Baltikum habe er vor etwa acht Jahren bei zahlreichen Urlauben entdeckt. Durch etwas Glück habe er nach seiner zweiten Examensarbeit seine jetzige Stelle in Riga erhalten.

So ist Burghardt heute für fünf Gemeinden verantwortlich, die sich aus vier Gruppen von Menschen zusammensetzen. Neben deutschen Balten, Russlanddeutschen und einigen Bundesdeutschen gebe es auch eine Gruppe junger Letten, die sich für die deutsche Kultur interessierten, erklärte Burghardt.

Für seine Besuche in den verschiedenen Gemeinden muss er Strecken zwischen 80 und 250 Kilometern Entfernung zurücklegen. Doch die lange Fahrt lohne sich immer wieder. Die Menschen in Lettland hätten eine für ihn wundervolle Lebensart."Sie haben einen inneren Humor und eine Ausgeglichenheit, die ich den Deutschen manchmal wünsche", erklärt der junge Mann seine Liebe zum Land. Da mache es ihm auch nichts aus, sich bei 20 Grad minus in unbeheizten Räumen für den Gottesdienst umzuziehen. "Ich habe gelernt, dass es auf Materielles nur in ganz begrenztem Maße ankommt". In Deutschland mache man sich über solche Dinge oft zu viele Gedanken, sagt der Pastor.

Zwar gebe es in Lettland auch Armut, und nicht selten käme Burghardt mit "erdrückenden Schicksalen" in Kontakt, doch ihre Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft würden die Letten auch in solchen Fällen nicht verlieren. Als "begeisternd" bezeichnete der junge Mann die Besucherzahlen seiner Gottesdienste. 70 bis 80 Prozent der eingetragenen Mitglieder kämen zu ihm in den Gottesdienst. Hinzu kämen noch die nicht-eingetragenen Mitglieder, die zwar getauft seien, jedoch keine Abgaben zahlen würden. Eine repräsentative Umfrage sei vor kurzem zu dem Ergebnis gekommen, dass sich 54 Prozent der Letten als evangelisch bezeichnen, berichtete Burghardt.

Von den Beiträgen der Mitglieder könnten gerade mal die Miete und die Heizkosten für die Räume der Gemeinden bezahlt werden. Seine Pastorenstelle werde fast ausschließlich aus Spenden aus dem Ausland finanziert. Um so größer war bei dem jungen Pastor die Freude, als ihm im Wendeburger Gemeindehaus gleich drei Spenden überreicht wurden. Pastor Otto Pfingsten, die Gemeinde Bettmar-Sierße und der Theaterkreis überreichten ihm je einen Umschlag."

Jede Mark kommt an - wir können das gut gebrauchen", freute sich Burghardt. Für die Umsetzung seiner Ideen hat er nun auch noch ein halbes Jahr länger Zeit als zu Beginn geplant. "Ich habe eine Verlängerung bekommen", berichtete er voller Freude. Nun bleibe er nach seinem Urlaub noch ein ganzes Jahr in dem für ihn "wundervollen" Land.

Anke Gramcko, Wendeburg

© Peiner Allgemeine Zeitung, 27. Februar 2001

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