"Christlicher Glaube braucht Zeit"

(März 2001) Grußwort von Beate Lenz an die Konfirmandinnen und Konfirmanden im Landkreis Peine, erschienen am 31. März 2001 in der Konfirmationsbeilage der Peiner Allgemeinen Zeitung.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten und Großeltern, liebe Leserinnen und Leser!

Normalerweise schreibt hier für die evangelisch-lutherische Kirche immer der Superintendent ein Grußwort an Sie und Euch. Dieses Jahr aber hat er mich gebeten, ein solches zu verfassen. Er meinte, ich solle ein bißchen von mir erzählen und davon, warum ich in den letzten zwei Jahren ehrenamtlich Konfirmandenunterricht erteilt habe - das wäre ein guter Beitrag an dieser Stelle und im Jahr des Ehrenamtes. Einen Moment habe ich überlegt, aber dann habe ich mich darauf eingelassen. Sie können ja selbst beurteilen und ihm vielleicht auch mitteilen, ob seine Idee gut war oder nicht.

Mein Name ist Beate Lenz; eigentlich wollte ich Pastorin werden, habe jedoch wegen der "Pastorenschwemme" bei gleichzeitigen Stellenkürzungen keine Anstellung in unserer Kirche bekommen. Dennoch liegt mir die Arbeit in der Gemeinde sehr am Herzen, denn christlicher Glaube ist für mich keine Privatsache, sondern Aufforderung, sich mit seinen Gaben aktiv in die Arbeit der Kirchengemeinde einzubringen. Neben meiner Arbeit als Kirchenvorsteherin bin ich in der Stadtregion - der St.-Jakobi-Kirchengemeinde zugeordnet - als so etwas wie eine Art ehrenamtliche Pastorin tätig; ich predige alle 6 Wochen und habe in den letzten zwei Jahren Konfirmandenunterricht in der St. Jakobi-Kirchengemeinde erteilt - für die 21 Jugendlichen, die nun in unserer Kirche konfirmiert werden.

Manchmal geht es den Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Gemeinde ja ein Stück wie mir als fertig ausgebildeter Pastorin: sie sind zwar da, aber sie haben das Gefühl, daß man sie eigentlich nicht braucht. Erwachsene haben Jugendlichen gegenüber durchaus auch Ängste und Vorbehalte. Sie sehen leicht die überkommene Ordnung gefährdet. Jugendliche in der Kirche: das könnte ja bedeuten, daß sich auf Dauer auch an der Gottesdienstform etwas ändern muß. "Nein, bloß nicht" - so denken viele Leute. Lieber bleibt alles beim Alten.

Wenn uns solches Denken begegnet, gibt es nur eines: nicht klein beigeben, sondern an das denken, was Gott will. Er will, daß alle Menschen ihm vertrauen und sogar schon Kinder Zugang zu ihm haben. Auch wenn es laut und unbequem wird. Jesus hat die Kinder gesegnet, als die Erwachsenen sie von ihm fernhalten wollten.

Während der zweijährigen Konfirmandenzeit habe ich versucht, den "Konfis" nahezubringen, daß sie für Gott wichtig sind und daß Gott für sie wichtig ist. Diese Beziehung, man kann sie auch Glaube nennen, ist etwas, das mit jeder und jedem Einzelnen ganz persönlich zu tun hat. Und es ist keine Sache, die man irgendwann irgendwie kapiert oder nicht und die dann ein für alle Mal feststeht. Nein, christlicher Glaube ist eine Sache, die mit Leben und mit Bewegung zu tun hat. Das heißt, dass Glauben Zeit braucht, um im Kopf, aber vor allem im Herzen zu wachsen.

Ich wünsche Ihnen und Euch sehr, daß das auch am Konfirmationstag deutlich wird und darüber hinaus deutlich bleibt: Konfirmandenunterricht ohne Engagement bei Kirche ist wie Fahrprüfung machen, um weiterhin nur zu Fuß zu gehen (wobei zu Fuß gehen ja wenigstens noch gesund und auch umweltmäßig vernünftig ist, ohne Gott zu leben aber keinem gut tut!).

Ich wünsche Ihnen und Euch, daß die Konfirmation nicht nur der Abschluß der Konfirmandenzeit ist, sondern auch ein dicker Doppelpunkt, nach dem noch ganz viel Gutes kommt.

Mit herzlichen Grüßen auch von Dr. Köhler bin ich Ihre/Eure

Beate Lenz

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