Propsteisynode Vechelde zum Verhältnis von Mensch und Tier

Von links: Kreislandwirt Carl Lauenstein, Staatssekretär Dietmar Schulz, Diskussionsleiter Michael Kothe, Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar und Jochen Hermann vom Peiner Tierschutzverein. SONNENBERG (lv) BSE, Maul- und Klauenseuche, Massenkeulung von Rindern – diese Schlagworte sind in den Medien längst wieder in die zweite Reihe gerückt. Umso wichtiger, so dachte die Propsteisynode Vechelde, dass jetzt grundsätzliche Fragen gestellt werden, etwa nach dem Verhältnis von Mensch und Tier. Mit einer prominent besetzen Podiumsdiskussion widmete sich das kirchliche Gremium bei seiner Sitzung am Mittwoch in Sonnenberg besonders den ethischen Problemen dieser Thematik.

Auf dem Podium saßen Dietmar Schulz, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Peter Kollmar, Oberlandeskirchenrat und Vertreter des Landesbischofs, Carl Lauenstein, Peiner Kreislandwirt sowie Jochen Hermann, Vorsitzender des Tierschutzvereines Peine und Umgegend. Zweieinhalb Stunden dauerte die Debatte, die einigen Synodenmitgliedern gegen Ende zwar lang, aber insgesamt dennoch nicht langweilig wurde. Das lag unter anderem daran, dass die Abscheu vor dem Begriff „Agrarfabriken“ so ziemlich das einzige war, was die Diskutanten einte.

Kreislandwirt Lauenstein etwa stichelte in Richtung Politik, dass durch die BSE-Krise derzeit jeder die Chance nutze, sich einmal dazu zu äußern, wie er sich Landwirtschaft in Zukunft vorstelle. Die Landwirtschaft habe sich jedoch so entwickelt, weil die Marktgesetze die Betriebe dazu gezwungen hätten. Dass Verbraucher für mehr Qualität auch tiefer in den Geldbeutel griffen, hält Lauenstein für illusionär. Dennoch plädierte er für mehr Transparenz in der Lebensmittelherstellung. „Wenn die Verbraucher uns danach fragen, woher das Fleisch kommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde, erledigen sich viele Dinge von selbst“, ist der Landwirt überzeugt.

Staatssekretär Schulz meinte, genau diese Tendenz beobachten zu können: „Wir haben uns noch nie so viel wie heute damit beschäftigt, wo unsere Lebensmittel herkommen.“ Ausführlich berichtete er über Verordnungen und Gesetze, die speziell das Land Niedersachsen erlassen habe, um die Landwirtschaft zu mehr artgerechter Tierhaltung zu bewegen. Die Erfolgschancen indes stufte er als gering ein. Durch den europäischen Einigungsprozess würden manche Vorstöße eher behindert, da es in der EU viele Staaten gebe, die „das Verhältnis zum Tier offenbar anders sehen“. Dadurch könnten dann Produkte aus dem Ausland billig importiert werden.

Tierschützer Hermann lehnte es ab, sich nur nach den Verbrauchern zu richten: „Wenn es immer nach den Verbrauchern gegangen wäre, hätten wir heute im Auto auch keinen Sicherheitsgurt oder Katalysator.“ Er forderte deshalb, dass der Staat dafür sorgen müsse, dass das Wohl des Tieres gewahrt werde. Vegetarier müsse man deshalb nicht zwangsläufig werden, denn der Mensch sei nun mal ein Allesfresser und „zur artgerechten Haltung der Gattung Mensch gehört auch der Fleischverzehr“, allerdings in geringeren Mengen, fügte Hermann an.

Oberlandeskirchenrat Kollmar musste sich zur Wehr setzen gegen die Kritik, dass die Kirche im Zuge der BSE-Krise und der bevorstehenden Massentötung von Tieren nicht deutlich genug die Stimme erhoben habe. Obgleich er dem Vorwurf nicht zustimmen wollte, wies Kollmar auf die Gewissensentscheidung jedes einzelnen Menschen hin. „Wenn die Kirche keine dogmatische Position vertritt, wird sie offenbar nicht wahrgenommen“, bedauerte der Geistliche. Er halte es dagegen für den richtigen Weg, wenn die Kirche sich in den Dialog mit den Betroffenen begibt, wie etwa in der kürzlich vom Bundeskanzler eingesetzten Ethikkommission.

So endete denn auch die Diskussion trotz einigen unversöhnlichen Positionen mit einem Appell Kollmars: Für ein Umdenken in Sachen Ernährungsbewusstsein und besseren Umgang mit Tieren müsse man den ersten Schritt schon selbst tun – und ihn nicht nur von anderen verlangen.

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