Vöhrumer Orgel erklingt zu Pfingsten
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Foto: Isabell Massel |
(Mai 2001) Eigentlich sollte die hinterspielige Orgel, bei der die Organistin keinen Blickkontakt zum Pfarrer hat,
schon längst restauriert sein und wieder auf der Empore im Vöhrumer Gotteshaus stehen. Zweimal musste wegen
Terminschwierigkeiten des Orgelbauers Martin Hillebrand die vorgesehene Inbetriebnahme zu Weihnachten und dann zu Ostern
verschoben werden. Jetzt soll die "Königin der Instrumente" am Pfingstsonntag, 3. Juni, erklingen.
Die vom Hildesheimer Johann Conrad Müller 1778 erbaute Orgel steht unter Denkmalschutz. Um diese in Schuss bringen zu können, mussten vorher drei Voraussetzungen in der Vöhrumer Kirche erfüllt werden. Zunächst wurde der Holzwurm aus der Dachkonstruktion und von der bemalten Kirchendecke entfernt. Dann folgte die Restaurierung des 500 Jahre alten Holzaltars. Schließlich musste eine neue Heizung her, um ein entsprechendes Raumklima für die zu renovierende Orgel zu schaffen. Das alles kostete 250.000 Mark.
Letzmalig wurde vor 32 Jahren das Instrument überholt. Inzwischen sind die 10 Register angeknackst. Die Hälfte ist nicht mehr einsetzbar. Bei der Choralbegleitung im Gottesdienst schleichen sich Heultöne ein. In der Windlade, dem "Herzstück" der Orgel, sind Risse entstanden, so dass der Wind unkontrolliert entweicht. Es zischt und pfeift. Denn die rund 500 Pfeifen in einer Größe von 1.50 Meter bis 8 Millimeter bekamen keinen oder nur wenig Wind.
Als der Orgelbauer im Januar 2000 die Orgel in ihre Bestandteile zerlegte, um sie zur Sanierung in die Altwarmbüchener Werkstatt zu bringen, entdeckte er einige Löcher in der Wand. Diese waren mit kleinen Holzpfropfen zugeklebt. Offenbar handelte es sich um ein 11. Register, was bisher nicht bekannt war. Der Empfehlung des Fachmannes, dieses Register nachträglich einzubauen, folgten die Fachleute des Landeskirchenamtes. "Das kommt der Klangfülle der Orgel zu Gute. Ein zeitlicher Aufschub von zwei Monaten für die Übergabe der restaurierten Orgel war vertretbar", so der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Friedhelm Danert.
Die Restaurierung der Orgel reicht bis in die 80-er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie wäre ohne die tatkräftige Spendenbereitschaft der Vöhrumer Wunschtraum geblieben. Denn von den rund 250.000 Mark Kosten sind bisher mehr als 144.000 Mark gespendet worden. Danert, treibende Kraft beim Appellieren und Sammeln, ist zuversichtlich, dass die Zielmarke von 150.000 Mark Spendengeld erreicht wird.
Der Orgelrevisor Karl-Heinz Davin verfasste vor mehr als 20 Jahren einen Bericht, der Grundlage der Instandsetzungsmaßnahme wurde. Seinerzeit rechnete Pastor Freimut Messow mit Restaurierungskosten von 150.000 Mark und einem 50-prozentigen Zuschuss der Landeskirche, der jedoch nur 40 Prozent beträgt. Bis Frühjahr 1990 standen 20.000 Mark auf dem Spendenkonto.
Als Pastor Messow im Herbst 1992 Vöhrum verließ, stockten zunächst die Vorarbeiten für die Restaurierung. Sein Nachfolger Ingo Koll schlug aus Kostengründen vor, nur den Orgelprospekt stehen zu lassen und eine elektronische Orgel zu kaufen. Mehrheitlich lehnte das der damalige Kirchenvorstand ab und befürwortete die Sanierung der "Müller"-Orgel". Auch wenn die Finanzierungsfrage ungeklärt war, sprach sich die Gemeindeversammlung ebenfalls für die Restaurierung aus. Gemeindeglieder äußerten sich skeptisch, dass rund 150 000 Mark an Spenden in Vöhrum aufgebracht werden könnten. Doch die Skeptiker wurden in den Folgejahren eines Besseren belehrt.
Manfred Reichel, Peine-Vöhrum
© Peiner Allgemeine Zeitung, 25. Mai 2001
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