50 Kinder aus Mogilew sind wieder zu Gast im Kreis Peine

Ein buntes Kulturprogramm hatten die Kinder aus Mogilew vorbereitet. (Juli 2001) KLEIN LAFFERDE (lv) Dascha Iwanowa, 13 Jahre, spricht hervorragend Deutsch. Sie lernt die Sprache seit sieben Jahren und begrüßt deshalb souverän die Gäste, die zum Begegnungsfest mit 50 Kindern aus Mogilew nach Klein Lafferde gekommen sind. Artig bedankt sie sich im Namen der Gruppe bei den deutschen Gasteltern, erzählt von ihrer Heimat Weißrussland und moderiert das Kulturprogramm, das die 8 bis 14 Jahre alten Kinder bei einer zwölftägigen Freizeit vorbereitet haben.

Das anschließende Interview gerät für Dascha jedoch zur Tortur: Wie gefällt ihr der Aufenthalt in Deutschland bislang? – „Gut.“ – Was gefällt ihr gut? – „Man lernt Neues kennen.“ – Zum Beispiel? – Kein Beispiel. – Was ist in Weißrussland anders als in Deutschland? – „Nicht viel.“ Ihr ausweichender Blick signalisiert: Kein Wort mehr ohne meinen Anwalt! Der ist in Person des 23 Jahre alten Deutschlehrers und Dolmetschers Wadim Trapylow sofort zur Stelle. Eine letzte Frage über den indirekten Weg: Was wird sie ihren Freunden zu Hause über Deutschland erzählen, wenn sie zurück in Mogilew ist? „Dass die Straßen hier so sauber sind.“

50 Kinder aus Mogilew sangen gemeinsam ein bewegendes und bewegtes Lied. Dascha hat’s überstanden. Aber Wadim ergänzt, dass es doch noch ein paar mehr Unterschiede zwischen Deutschland und Weißrussland gibt. „70 Prozent der Radioaktivität nach dem Unglück von Tschernobyl sind über Weißrussland niedergegangen. Es gibt deshalb keine saubere Umwelt, das Essen ist verstrahlt.“ Die Zahl der Kranken nehme ständig zu, besonders Krebserkrankungen träten verstärkt auf. Kinder bekämen immer häufiger Allergien, ihr Immunsystem sei geschwächt. Deswegen seien die Erholungsmaßnahmen auch so wichtig, die der Kirchenkreis Peine nunmehr seit 10 Jahren organisiert.

Das bestätigt Irina Olenewa, die Leiterin der weißrussischen Gruppe: „Alle Eltern sagen mir, dass ihre Kinder, nachdem sie in Deutschland waren, im Winter viel seltener krank werden.“ Neben dem gesundheitlichen Aspekt haben die Kinder viel Spaß in ihren Gastfamilien und nehmen manche Anregung mit in ihre Heimat – zum Beispiel Blumenbeete: „Einen Gemüsegarten haben in Mogilew auch viele“, berichtet Olenewa, „aber die Kinder verblüffen ihre Eltern damit, dass sie auch Blumen pflanzen wollen, weil sie das bei ihren deutschen Gasteltern gesehen haben.“

Der Klein Lafferder Flötenkreis zeigte eine Kostprobe seines Könnens. Den Gasteltern macht’s ebenfalls Spaß. Einer, der es wissen muss, ist der Klein Lafferder Gerhard Schnieber. Seine Frau und er sind von Beginn an dabei und beherbergen jedes Jahr aufs Neue zwei Kinder. Seine Begründung ist plausibel: „Wenn ich etwas spende, weiß ich nicht, ob es ankommt. Hier weiß ich ganz genau, dass meine Hilfe die Richtigen erreicht.“ Vor zehn Jahren sei der Deutschlandaufenthalt für die Kinder allerdings ein echter Kulturschock gewesen, mittlerweile hätten sie sich an Konsum und Kommerz schon ganz gut gewöhnt. „Manche Gasteltern übertreiben es wohl ein bisschen“, warnt Schnieber vor teuren Geschenken.

Das Begegnungsfest begann mit einem Familiengottesdienst in der Klein Lafferder Kirche. Das weitere Programm sieht noch einige Höhepunkte vor: Am 2. Juli gibt der Judo Club Peine eine kostenlose Lehrdoppelstunde, am 4. Juli besuchen die älteren Kinder die VW-Autostadt in Wolfsburg, am 6. Juli ist Kinderdisco in Telgte und am 11. Juli findet ein großes Abschlussfest in Ölsburg statt. Vorher gibt es allerdings noch eine offizielle Jubiläumsveranstaltung im Peiner Forum. Am Sonntag, den 8. Juli soll dort von 15 Uhr an auf zehn Jahre erfolgreiche Partnerschaftsarbeit zurückgeblickt werden. Burkhard Rothermund, Diakon für Projektarbeit im Kirchenkreis Peine, hat ein buntes Programm zusammengestellt und hofft auf ein volles Haus. Eingeladen sind besonders alle Gastfamilien, die sich seit 1991 an der Aktion beteiligt haben und alle weiteren Freunde der Partnerschaft mit Mogilew.

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