Dialog zwischen Wirtschaft und Kirche
|
Fotos (3): Lothar Veit |
(August 2001) PEINE. "Wie sieht die Kirche im Jahr 2011 aus?" - In Zeiten von Stellenkürzungen und Sparbeschlüssen sind die Peiner Stadtkirchengemeinden einen ungewöhnlichen Weg gegangen, um mit den drängenden Problemen fertig zu werden. Nicht jammern, sondern kreativ werden, heißt die Devise. Rund 50 Menschen nahmen sich ein ganzes Wochenende Zeit, um eine "Zukunftskonferenz" abzuhalten.
Ebenfalls ungewöhnlich: Zu der Konferenz trafen sich nicht etwa nur Pastoren oder kirchliche Mitarbeiter, sondern auch einflussreiche Peiner aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Zwar hatte Peines erste Wahl an Kommunalpolitikern kurzfristig abgesagt oder für Vertretung gesorgt, aber dennoch entwickelte sich ein spannender Dialog.
Unter der kompetenten Leitung von Dr. Stephan Vasel, Pastor in Handorf/Berkum und Birgit Oelker von der Universität Hildesheim waren die Konferenzteilnehmer aufgefordert, in drei Schritten die künftigen Wege der Kirche in der Peiner Stadt-Region zu bedenken. Durch einen gezielten Blick auf Vergangenheit und Gegenwart sollten schließlich die Weichen für die kirchliche Zukunft gestellt werden.
Dabei gaben die Moderatoren einen straffen Zeitplan vor, der zumindest in den Arbeitsphasen durchgehalten wurde. Die abschließenden Berichte der einzelnen Kleingruppen vor dem Plenum auf drei Minuten zu begrenzen, fiel jedoch besonders den Kirchenleuten schwer. Der Kreativität waren jedoch keine Grenzen gesetzt. Zwei der kühnsten Vorschläge: "Die Kirche soll alle Rücklagen ausgeben, damit sie endlich einmal so arm ist wie Jesus" und "Konrad Sindermann wird neuer Propst des ökumenischen Kirchenkreises Peine".
Als es um die Stärken und Schwächen der kirchlichen Arbeit ging, brachte Stefan Honrath, Leiter der Kommunikationsabteilung der Kreissparkasse Peine, ein Grundproblem auf den Punkt: "Wir reden manchmal auf völlig verschiedenen Sprachebenen", stellte er wertfrei fest. Die Wertung kam dagegen aus den kirchlichen Reihen: "Wir müssen unsere Botschaft endlich in einer zeitgemäßen Sprache verkündigen."
Während die ersten Arbeitsphasen eher dazu dienten, sich die derzeitige Situation der Kirche zu vergegenwärtigen, wurde es zum Ende der Konferenz konkret. Es bildeten sich vier Initiativgruppen, die dafür sorgen wollen, dass den visionären Worten auch Taten folgen. Eine Gruppe wird über einen gemeinsamen "Sozialen Tisch" nachdenken, an dem kirchliche und nichtkirchliche Organisationen ihre Arbeit koordinieren. Als weitere Idee wurde ein "Offenes Haus" der Kirche genannt - eine zentrale, nahezu ständig erreichbare, Anlaufstelle für alle Peiner. Mit Hilfe der Wirtschaftsvertreter sollen außerdem die kirchlichen Strukturen verschlankt werden. Eine vierte Gruppe will dafür sorgen, dass die Jugendarbeit in den Peiner Stadtgemeinden intensiviert wird.
Martin Lechler, Pastor der Peiner Jakobi-Gemeinde und Mitglied in der Vorbereitungsgruppe für die Konferenz, zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen: "Die Meinungen aus Wirtschaft und Politik waren sehr wichtig für uns", denn die Außensicht auf die Kirche unterscheide sich doch oft erheblich von der Innensicht. Lechler ist sich sicher, dass das Wochenende für die meisten keine vertane Zeit war. "Viele haben spontan bekundet, künftig enger mit der Kirche kooperieren zu wollen." Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse.
Lothar Veit
Zur Fotogalerie
zurück