Kindgerechte Bewältigung der Angst

Um den Stern, der in beiden Religionen das verbindende Licht symbolisiert, sammelten sich gestern Abend mit den Kunterbunt-Kindern (von links) Imam Osman Albayrak, Pfarrer Torsten Sander, Hort-Erzieherin Melissa Rosenthal und Pastor Reinhard Kiparski.

Foto: Thomas Gasparini

(September 2001) PEINE (tn) Trauer- und Angstbewältigung - was mittags am Marktplatz für die Erwachsenen gedacht war, sollte am Abend im Gemeindehaus der Peiner Friedenskirche für die Kinder stattfinden. Die Resonanz auf die gemeinsame Einladung von Türkisch-Islamischem Kulturverein und der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt war allerdings erheblich größer als sechs Stunden zuvor.

Erzieherin Melissa Rosenthal hatte mit den Hortkindern Lieder und Rollenspiele eingeübt. Bei der Vorbereitung, so wurde deutlich, konnte die Pädagogin mit den Kindern gut an der Verarbeitung der schlimmen Bilder aus Amerika arbeiten. Die Umsetzung Freitagabend stellte für die Kleinen jedoch eine Gaudi dar - wie sollte es auch anders sein. Zu Ruhe und Besonnenheit mahnende Mutterworte verhallten vielfach ungehört. So sind Kinder.

So richtete es sich letztlich stärker an die Eltern, wenn Gastgeber Pastor Reinhard Kiparski die Gemeinschaft der großen Weltreligionen Christentum und Islam beschwor und vor einfachen Schuldzuweisungen warnte. Sein katholischer Amtsbruder Torsten Sander war mit seinem Bibelbild von der rechten und der linken Backe zwar kindgerechter - bis er es in den Appell übertrug, Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten. Dass die Religionen miteinander sprechen sollten, ergänzte Sander durch die Aufforderung, dass gerade jetzt Christenkinder mit islamischen Kindern spielen sollten.

Im Namen des Peiner Imam, Osman Albayrak, bedankte sich Hayrullah Ülker für die Einladung der Friedenskirchengemeinde. Er überbrachte die Botschaft seines Imam, dass Terrorakte wie die in den USA niemals im Namen des Islam begangen werden könnten. Ülker: "Wir beten zu Gott, dass wir nie mit solchen Terroristen zu tun bekommen." Zwei Religionen, ein Gott.

© Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten, 29. September 2001

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