Gorka: "Keine Marionetten Gottes"
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Foto: Henrik Bode |
Von Thomas F. W. Niemeyer
(September 2001) PEINE. Seine Visitation des Peiner Kirchenkreises wird Landessuperintendent Eckhard Gorka wahrlich nie vergessen. Hier erlebte er übers Fernsehen die Terrorakte gegen die USA und ihre tief gehenden Wirkungen auf die Menschen mit. Dennoch wird sein Eindruck von Peine ein rundum positiver bleiben, verriet Gorka Donnerstag.
Wenn er etwas aus dem bisherigen Besuchsprogramm positiv hervorheben müsse, sei es wohl der Hospizverein und die Krankenhausseelsorge. Was auf der Gerhard-Lukas-Meyer-Station an mitmenschlicher, der christlichen Nächstenliebe verpflichteter Arbeit geleistet werde, habe ihn maßlos beeindruckt. "Die Reife der Akteure dort: toll!"
Gorka nannte noch manches Beispiel, das bei ihm Begeisterung für Peine hervorgerufen habe. Doch am Ende kehrten seine Gedanken immer wieder zu dem derzeit alles überlagernden Ereignis zurück. Die schreckliche Nachricht habe ihn am Dienstagnachmittag bei der Vorbereitung des Kinderkirchentages ereilt: "Eine Frau kam dazu und sagte, sie halte es zu Hause allein mit diesen Bildern nicht mehr aus."
Das Bedürfnis von Gemeinschaft, Trost und "der dauernden Kraft etwa der tragenden Worte in der Liturgie und in Kirchenliedern" lasse seitdem nicht nach. "Wir kokettieren nicht mit der Not, aber das Bedürfnis der Menschen müssen wir als Kirche aufnehmen", sagte Gorka. Am Dienstagabend seien mindestens 300 Menschen zur Andacht in die Jakobikirche gekommen,belegtePeines Superintendent Dr. Wolf-Dietrich Köhler den Befund. Beim Kreisfrauentreffen seien es gar über 400 Besucherinnen gewesen.
Zwar seien durch den Terror auch viele Termine im Visitationsprogramm ausgefallen, doch, so Gorka: "Es ist richtig, dass wir jetzt innehalten." Dabei bleibt der Kirchenmann jedoch konkret und verbindlich: "Wir müssen die Schuld der Täter benennen, damit sie nicht wie so oft bei Gott gesucht wird." Gerade in dieser Situation bestehe die Chance, die gottgewollte Freiheit des Menschen und ihre Konsequenzen zu erläutern. Die Seelen stünden dafür offen. Gorka: "Wir sind keine Marionetten Gottes, der uns vor uns selber schützt."
Trotz all dieser Offenheit diskreditiere der Terror religiöser Fundamentalisten jede Religion, sind sich Köhler und Gorka einig. Gleichzeitig seien die entstehenden Vorurteile gegen jegliche Religion unberechtigt. Die Meinung, erst durch Mord reif fürs Himmelreich zu werden, sei irrig und letztlich unreligiös.
Und danach gingen die beiden Kirchenmänner Donnerstag wie die meisten Peiner in ihre fünf Schweigeminuten.
© Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten, 14. September 2001
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