So ganz verlässt er seine Oberger nicht
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Foto: Natge |
VON THOMAS F. W. NIEMEYER
(Dezember 2000) OBERG. Selbstzufriedenheit, zu der neigt Pastor Alexander Rose wahrlich nicht. Rückblickend auf seine achtjährige Arbeit in Oberg, wo er Samstag um 18 Uhr von Superintendent Dr. Wolf-Dietrich Köhler verabschiedet wird, sagt er dann doch: "Ich glaube, das habe ich ganz gut hingekriegt." Er meint damit das Vorhaben bei seinem Dienstantritt 1992, Ruhe in die nach langer Vakanz im Kirchenkreis als schwierig bekannte Gemeinde zu bringen.
In den Ruhestand - der Umzug nach Peine erfolgte bereits Anfang Dezember - kann Rose besten Gewissens gehen: Die Oberger Kirchengemeinde ist für die neuerliche Vakanz gut gerüstet, wird von den Pastoren der umliegenden Orte mit betreut. Und auch der Stamm an Ehrenamtlichen ist gestärkt, wird manche Aufgabe übernehmen. Darüber staunt der 60-Jährige selbst: "Ich hatte Probleme, für die organisatorischen Dinge Helfer zu gewinnen; jetzt sind sie da", nagen Zweifel, genug motiviert zu haben. Wie gesagt: Zu Selbstzufriedenheit neigt er nicht.
1940 in Cottbus geboren, wuchs Alexander Rose in der Mark Brandenburg auf, bis die Eltern 1954 aus der DDR ins ostfriesische Emden flohen. Die Umstände und er selbst ließen ihm keine Wahl: Er lernte Schiffbauer auf der Werft. "Eine schöne und wichtige Erfahrung für mich", lächelt er versonnen. Der Kontakt zu christlichen Pfadfindern, die ihm Literatur, vor allem aber Soziologie, nahe brachten, ließ den Wunsch wachsen, Pastor zu werden. Ohne Abitur trat er an der Theologischen Akademie in Celle die Ausbildung zum Pfarrvikar an und schloss die Theologie als Aufbaustudium an. Trotz des beruflichen Umweges wurde Rose bereits mit 27 Jahren ordiniert.
Seine erste Pfarrstelle bekam er im Solling, erlebte die aufkommenden Studentenunruhen im nahen Göttingen mit. Die Diskussionen um Rollenzwänge nährten Selbstzweifel, ob der Beruf des Pastors das Richtige für ihn sei. Die "Stimmigkeit zwischen Rolle, Form und Inhalt" ist für ihn, aus jener Zeit herrührend, bis heute ein wichtiges Anliegen geblieben: "Ich mag Gesten nicht, die um ihrer selbst willen existieren - ihr Inhalt muss stimmen."
Nach manch weiterer Station kam Pastor Rose 1980 nach Peine. Neben Manfred Schwetje erhielt er die zweite Pfarrstelle an der Friedenskirche. Und im zwölften Jahr dort suchte er dann noch einmal eine neue Herausforderung für seine letzten elf Berufsjahre - denn die 60er-Regelung, die ihm nun den vorzeitigen Ruhestand ermöglicht, war damals noch nicht abzusehen. So kam er schließlich nach Oberg.
Als schwierig sei ihm die Kirchengemeinde beschrieben worden, weil die Pastoren dort häufig gewechselt hatten und weil es Streit um das Patronat gab, das die Gutsherren von den Oberger Grafen aus dem Mittelalter übernommen hatten. "In einem ersten Gespräch sagte mir Hortense Guenther-Luebbers, dass sie das Patronat gerne ausgestalten würde. Das war doch ein Wort", kann Rose dieser Institution, die aus einer anderen Gesellschaftsform stammt, Positives abgewinnen.
Ohnehin kamen ihm, der als Verfasser von Chroniken einen Namen erworben hat, die historischen Bezüge Obergs entgegen. So engagierte er sich frühzeitig für die Pläne des Heimatvereins, eine Chronik für Oberg herauszugeben. Für einen zweiten Band hat er noch etliches im Köcher. Doch erst muss der Verkauf des jüngst erschienen ersten Bandes das Geld dafür einbringen. Spannend findet Alexander Rose die Brüche, die die Industrialisierung im nahen Ilsede einst im Bauerndorf Oberg verursachte. Folgen seien noch heute spürbar. Details möchte er jedoch nicht nennen. Seinen Obergern hat er versprochen, als Ruheständler einmal im Monat Gottesdienst zu halten. Neujahr ist Premiere. Ganz muss ihn Oberg also nicht entbehren.
© Braunschweiger
Zeitung/Peiner Nachrichten, 29. Dezember 2000
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