Advent als Vorbereitung
auf den zweitausendsten Geburtstag
(Dezember 2000) Gedanken zum Advent von Superintendent Dr. Wolf-Dietrich Köhler.
"Advent" heißt Ankunft. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor, in der uns eigenen Weise: Weihnachtsgeschenke werden besorgt, Festvorbereitungen getroffen, ab sofort ist die Zeit der Advents- und Weihnachtsfeiern. Vier Wochen: das muß sein. Und wenn Weihnachten so liegt wie dieses Jahr, dann muß es schon in der Woche vor dem ersten Advent damit losgehen.
Nach der Tradition der christlichen Kirchen ist die Adventszeit eigentlich ganz anders gedacht: die Adventszeit ist eine Fastenzeit, in der man sich einschränkt, und darüber nachdenkt, daß Gottes Sohn in diese Welt gekommen ist und daß er einmal wiederkommen wird, zum "zweiten Advent" am Tag des letzten Gerichtes. Aber so ist das eben heute: bei "Gericht" fällt vielen Menschen eher der weihnachtliche Speisezettel ein als der jüngste Tag.
Nicht irgendein Geburtstag
Nun bringt es wenig, darüber zu klagen; aber etwas mehr Bezug auf den eigentlichen Anlaß der Feier - das darf schon sein. Denn schließlich feiern wir am 25.12. nicht irgendeinen Geburtstag, sondern einen runden: 2000 Jahre ist es her, daß der zur Welt kam, ohne den wir keine Weihnachtsmärkte hätten, weil es ohne ihn kein Weihnachtsfest gäbe.
Bei runden Geburtstagen ist es üblich, daß besondere Geschenke vorbereitet und überreicht werden. Als ein Pastor, der neu in einer Gemeinde war und sich vorgenommen hatte, außer die Achtzigjährigen auch die Vierzig- und Fünfzigjährigen zum Geburtstag zu besuchen, abends um 18.30 Uhr beim Geburtstagskind, das an diesem Tag 40 wurde, klingelte, wurde ihm erwartungsvoll geöffnet. Über die Begrüßung war er aber doch einigermaßen erstaunt. "Sind Sie der Stripper? Aber Sie sollten doch erst in zwei Stunden kommen!" Er konnte das Mißverständnis aufklären, und es wurde dann ein netter, halbstündiger Besuch.
"Sind Sie der Stripper?"
Immer mehr wird es ja üblich, bei runden Geburtstagen um die fünfzig besondere Überraschungen aufzufahren. Wenn es nicht der Stripper ist, dann ist es oft die Bauchtänzerin, die aus der überdimensionalen Torte steigt. Zweitausend ist 40 mal 50, und das erfordert nun wirklich ganz besondere Geschenke. Zu anderen Geburtstagen Jesu mag es reichen, in seinem Sinne eine größere Summe an Geld für gute Zwecke zu spenden. Aber zum zweitausendsten, da sollte man sich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Manchmal ist es auch eine gute Möglichkeit, auf die Wünsche des Geburtstagskindes zu hören. Und das hat ganz eindeutig einen größten Wunsch an uns: daß wir uns mit unserem ganzen Leben seinem Vater so anvertrauen, wie er es getan hat. Es geht ihm also nicht um Spenden oder um besonders schön gestaltete Feiern, er will viel mehr: uns selbst. Ob wir ihm dieses Geschenk machen wollen?
In diesem Sinne wünscht Ihnen/Euch eine gute Adventszeit
Ihr Superintendent
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