Nele findet ihr Bethlehem gleich quer über die Straße
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Foto: Isabell Massel |
(Dezember 2001) "Lauter!" Petra Fette unterbricht die Generalprobe in der St.-Katharinen-Kirche in Harber. Noch wenige Stunden bis zum Krippenspiel und vom Gezetere der "Schrei-Else" ist in dem Backsteinbau nicht viel zu hören. Unter der Kanzel werden die vielen kleinen Engel unruhig, warten auf ihren Einsatz. Dann kommt Nele, die Hauptdarstellerin. Sie sucht am Heiligabend Bethlehem und das Christkind - um es zu beschenken.
"Nele geht nach Bethlehem" heißt das Stück, das die Kinder und Jugendlichen aus Harber heute in der St.-Katarinen-Kirche ab 15.30 Uhr aufführen. Und wenn das Mädchen Nele (Frauke Klischies, 10 Jahre) loszieht, "quer über die Straße", wie die genervte Mutter ihr mit auf den "Weg nach Bethlehem" gibt, dann ziehen die 3- bis 14-Jährigen im übertragenen Sinne mit.
Sie besuchen eine einsame Frau, treffen einen Reichen, sprechen mit dem kranken Mädchen und hören die Zeitungsfrau, die Schrei-Else ("Wo ist bin Laden?") - alles Suchende auf ihrem Weg nach Bethlehem, wo die kleine Nele dem Christkind doch so gern ein Geschenk machen möchte, "weil sonst nur alle etwas von ihm erwarten."
"Wir wollen mit dem aktuellen Krippenspiel die Weihnachtsbotschaft nicht nur im Zusammenhang mit dem Schenken zeigen", erklärt Fette die Absicht des Stückes und ihrer Darsteller. Vielmehr soll die Geschichte einen aktuellen und zeitkritischen Bezug bekommen. "Es geht um die Menschen, jeder sollte sich um den anderen kümmern", interpretiert Fette die Weihnachtsbotschaft in Harber.
"Die Parolen der Schrei-Else und den Schluss der vorgegebenen Geschichte haben wir der Alltagssituation angepasst und umgeschrieben", sagt die 45-jährige Erzieherin, die im Kindergarten Hohenhameln arbeitet. 1988 trat die Harberanerin dem Kirchenvorstand des 430-Einwohner-Dorfes bei, seitdem organisiert sie das Krippenspiel und übt sich jedes Jahr neu im Spagat zwischen der traditionellen Heiligabendandacht und dem Spiel mit Kindern und Jugendlichen in der Kirche.
"An diesem Tag sind Alt und Jung gemeinsam im Gotteshaus, alle haben Erwartungen, denen wir gerecht werden wollen", stellt Fette fest. So bleibt die eigentliche Krippenszene mit Maria, Josef, dem Jesuskind, den Hirten und Engeln zwar erhalten, Fette lässt aber drumherum die Geschichte der Nele aufführen.
Die erste Zusammenkunft der Schauspielgruppe war im November. 29 kleine Jungen, Mädchen und Jugendliche hatten sich angemeldet und waren auch gekommen. Petra Fette stellte das Stück vor und vergab die ersten Rollen. "Wo sind denn die Engel?" fragten viele Kinder nach den beliebtesten Rollen. "Zuerst wollte niemand den Part des kranken Mädchens übernehmen", sagt die Erzieherin, "genau wie damals, als wir das Märchen von Frau Holle aufführten: Da wollte kein Kind die Pechmarie spielen." Schließlich gab es aber doch noch Freiwillige. Bei der heutigen Vorstellung machen 35 Kinder mit.
"Für die Rolle der Nele brauchten wir ein Kind, das gut auswendig lernen kann, ein sicheres Auftreten und eine gute Stimme hat", sagt die 45-Jährige, "die Kinder haben festgestellt, dass in der Kirche immer laut gesprochen werden muss, um von allen gehört zu werden."
Die Kostüme stammen aus dem Privatbesitz der Kinder, Fette hat eine große Funduskiste und bei Bedarf wird noch schnell genäht. "Da muss nichts originalgetreu von der Vorlage des Nele-Kinderbuches umgesetzt werden", sagt sie, "das ist wie im richtigen Theater: Bis zur Aufführung wird in jeder Probe noch improvisiert, das Stück entwickelt."
Jetzt sind die kleinen Engel an der Reihe: Mit goldenen Flügeln und weißen Kleidern ausgestattet ziehen sie in die Kirche ein, schlagen die Triangel zum hellen Ton. Als den Hirten prophezeit wird "Ihr werdet finden ein Kind......" knallen die Instrumente vor dem Altar auf den Boden. Probennervosität, aber alle Darsteller geben ihr Bestes. Noch ist ein wenig Zeit bis zur Aufführung.
Michael Schröder, Kreis Peine
© Peiner Allgemeine Zeitung, 24. Dezember 2001
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