Was gehört für Sie zum Fest?

(Dezember 2001) Was, liebe Leserinnen und Leser, was brauchen Sie, damit es Weihnachten für Sie wird? Was gehört für Sie unbedingt dazu zum Fest? Ein Baum, in rot-goldenem Weihnachtsschmuck, unbedingt mit Lametta? Oder führt bei Ihnen kein Weg an Strohsternen vorbei? 'Der kleine Lord' im Fernsehen, 'I'm dreaming of a white christmas' oder Chris Rea's 'Driving home for christmas' aus dem Radio? Heringssalat am Heiligen Abend, Gänsebraten am 1. Feiertag oder sind es schlesische Mohnklöße, die nicht fehlen dürfen? Machen Sie sich auf den Weg in eine der Christvespern oder einen Weihnachtsgottesdienst und singen voll Inbrunst, vielleicht auch ein wenig verklärt 'Stille Nacht, heilige Nacht' und 'O, du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit'?

Weihnachten ist bei uns auch ein Fest der Traditionen und Gewohnheiten. Traditionen und Gewohnheiten, die uns lieb und wichtig sind, die einen entscheidenden Teil unseres Erinnerungs - und Lebensschatzes ausmachen und die wir keinesfalls missen möchten. Und das ist gut so!

Alles hat seine Zeit

In diesem Jahr gab es auf Initiative unserer Landesbischöfin Frau Dr. Margot Käßmann eine Aktion unter dem Motto 'Alles hat seine Zeit - Advent ist im Dezember'. Ziel, Sinn und Zweck der Kampagne: Die Zeiten und Lebensrhythmen im Jahreslauf bewußter wahrzunehmen. Den Blick zu schärfer für den Unsinn, daß Spekulatius, Adventskalender und Schokoweihnachtsmänner bereits ab September in den Läden zum Kauf angeboten werden. Mal zu überlegen, daß eine Weihnachtsfeier vor dem Totensonntag wohl doch unpassend terminiert ist ... Die Reihe ließe sich noch mühelos fortsetzen. Kurz: Es ging darum, die Festzeiten und die unser Jahr bestimmenden Abläufe nicht immer mehr zu verwischen und zu vermengen und so auch wieder zum Kern und zum entscheidenden Inhalt zurück zu finden. Ich hoffe sehr, daß die Aktion bei mancher und bei manchem dazu geführt hat, das eigene Kaufverhalten und die eigene Gestaltung der Advents - und Weihnachtszeit zu überdenken.

Die Adventszeit neigt sich nun dem Ende entgegen. Die vierte Kerze ist schon angezündet. Damit endet die Vorbereitungszeit auf die Geburt Jesus Christi, das Warten auf seine Ankunft in der Welt. Der Heilige Abend und die Weihnachtstage stehen unmittelbar vor der Tür - die Weihnachtszeit beginnt, mit allen Bräuchen und Traditionen, die uns daran lieb und wert sind. Viel Spaß also beim Baumschmücken, beim Mitsummen der Radioweihnachtschlager, guten Appetit beim Festtagsschmaus, genießen Sie den kleinen Lord, - aber vergessen Sie bei alledem die Hauptsache nicht ...

Einst stritten die Tiere darüber, was wohl zum Weihnachtsfest unbedingt dazu gehöre, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei.

Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?

"Das ist doch klar", sagte der Fuchs, "der Gänsebraten. Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?" Der Eisbär widersprach: "Schnee muß sein, viel Schnee! Weiße Weihnachten, das ist es." Das Reh aber sagte: "Nein, der Tannenbaum ist es. Ohne Tannenbaum gibt es kein ordentliches Weihnachten." "Aber nicht mit so vielen Kerzen", heulte die Eule, "schummerig und gemütlich muß es sein. Die Weihnachtsstimmung ist die Hauptsache." "Und was ist mit einem neuen Kleid? Wenn ich kein neues Kleid zu Weihnachten kriege, ist Weihnachten nichts", rief der Pfau. Und die Elster krächzte dazu: "Jawohl, und Schmuck, viel Schmuck. Ein Ring, ein Armband, eine Brosche, eine Kette, ein Diamant. Dann ist Weihnachten." Der Dachs aber erklärte: "Macht's wie ich: Pennen, pennen, pennen. Das ist das einzig Wahre. Weihnachten ist für mich mal richtig ausschlafen!" "Und saufen", dröhnte der Ochse, "mal richtig saufen, und dann schlafen, schlafen ..." Aber dann schrie der Ochse plötzlich auf: "Au!" Der Esel hatte ihm einen ordentlichen Huftritt verpaßt: "Du Ochse, denkst du denn gar nicht an das Kind?" Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: "Das Kind, ja richtig, das Kind, das war doch die Hauptsache." Und nach einer Weile fragte er den Esel: "Du, Esel, wissen das die Menschen eigentlich?"

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine schöne, besinnliche und fröhliche Weihnachtszeit, in der die Hauptsache nicht zu kurz kommen sollte und die übrigens am 26. Dezember keinesfalls schon wieder zu Ende ist!

Ihre Gundula Sievert,
Pastorin in Dungelbeck

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