Mission heißt: Selbst Zeugnis geben

Tinyiko Sam Maluleke.

Foto: Kim Neumann

(Januar 2002) Er beschreibt sich gern als "Widerspruch in sich selbst": Tinyiko Sam Maluleke, Pastor, Professor für Missionswissenschaft, Familienvater und Südafrikaner. "Wo doch traditionelle Missionsarbeit darin besteht, dass Europäer den unaufgeklärten Afrikanern das Licht bringen", erklärt er mit leiser Ironie.

Der Vikarin der Martin-Luther-Gemeinde ist es zu verdanken, dass der international renommierte Wissenschaftler für eine Predigt und eine Begegnung mit den Gemeindegliedern Station in Peine machte: Maluleke war Drea Fröchtlings Doktorvater an der University of South Africa in Pretoria.

Mission werde zunehmend zum selbst Zeugnis geben, beantwortet er die Frage, was er unter Mission verstehe, und nicht, dass jemand einem anderen die Bibel auf den Kopf schlage mit den Worten "Das musst du glauben". Zeugnis geben, das sei das alltägliche Leben in Übereinstimmung mit der christlichen Überzeugung, unterstreicht der Seelsorger seine Aussage mit knappen Gesten.

Obwohl in Seveto geboren, habe er auch ländliches Leben kennen gelernt und sei eine Zeit lang in einer Missionsstation zur Schule gegangen. Dieses Stück westliche Welt in ihrer Abgeschlossenheit habe er als junger Mensch als lächerlich empfunden, sagt der 40-Jährige. Weil er jedoch außerhalb der Missionsstation gelebt habe, sei er zum Grenzgänger zwischen Innen und Außen geworden. Im Rückblick habe er jedoch festgestellt, dass trotzdem viel interkulturelle und interreligiöse Durchlässigkeit vorhanden war. Für seine Berufspläne jedoch seien diese Erfahrungen nicht ausschlaggebend gewesen.

Derzeit hat Tinyiko Sam Maluleke eine Gastprofessur an der Missionsakademie in Hamburg. Begleitet wird er diesmal von zwei seiner Kinder; in Atlanta/USA im vergangenen Herbst war sein drittes dabei, "sonst wird das zu teuer". Sein Schwerpunkt im Forschungsbereich "Sozialer Wandel in Afrika" ist die neuere Entwicklung in der afrikanisch-christlichen Theologie. Außerdem hält er Vorlesungen über die Ergebnisse der Wahrheits- und Versöhnungskommission des südafrikanischen Staates, die die Zeit der Apartheid mit ihren Menschenrechtsverletzungen aufarbeitete und an deren Auswertung Professor Maluleke ebenfalls beteiligt war.

Zum vierten Mal ist der dunkelhäutige Mann in Deutschland. Wie sieht er die Deutschen? Er habe keine Diskriminierung erlebt, wisse jedoch, dass er privilegierter sei als etwa Asylsuchende. Mit vielen Leuten habe er "in ihrer Euphorie und Euro-Manie" dieser Tage vor einer Bank um das neue Geld angestanden. Da habe er ein europäisches Gemeinschaftsgefühl gespürt, jedoch Angst bekommen bei dem Gedanken, was das für Länder wie Argentinien oder Südafrika bedeute.

Siegrid Albertshauser, Peine

© Peiner Allgemeine Zeitung, 6. Januar 2002

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