Godspell-Ensemble begeisterte mit Ideen und Überzeugungskraft

Foto: Christian Bierwagen

(Februar 2002) EDEMISSEN. Es ist bunt, laut, ein wenig schräg und schrill, zunächst gewöhnungsbedürftig - dann aber faszinierend: Godspell, das Musical, das auf dem Matthäus-Evangelium basiert und in den USA zum kulturellen Erbe der Neuzeit gehört. In Edemissen brachte die Landesbühne Hannover es auf die Bühne. Mit riesigem Erfolg - wie überall.

Junge Leute feiern eine Party, die Musik aus dem Radio wird plötzlich unterbrochen. Es hört sich an, als hätte jemand am Sender gedreht, es knistert, eine Stimme erklingt. Der Jemand erzählt, er sei gekommen, "um zu erfüllen, nicht um aufzulösen". Der Jemand ist Jesus und steht plötzlich auf der Bühne - und die Show beginnt: Da tritt "Titelverteidiger" Jesus gegen Judas an, da wird das Publikum ins Ein-Millionen-Euro-Quiz eingebunden, selbst Werbefernsehen eingeblendet. Lazarus mit seinen juckenden Flecken am ganzen Körper taucht in einem Spot auf. Ratiopharm wird ihm empfohlen. Und Jesus behauptet, er könne "Fuß lesen". Aber steht da Amen - oder Adidas?

Mit viel Witz setzt das Ensemble mit ausgezeichneten Stimmen singend, tanzend, spielend, mit Ideen, Performance und Überzeugungskraft weitere biblische Bilder und Gleichnisse um: Das vom Sämann als Muppets-Show, das vom heimgekehrten Sohn als Seemanns-Klamotte. Toll gemacht. Die Texte sind dabei bibeltreu, aber die Darsteller bleiben bei alldem in ihren bunten Partyklamotten. Der Ausdruck jedes einzelnen, Körpersprache, Mimik sind so gut, dass es keiner Kostümierung bedarf. Ob Lazarus, der Vater des verlorenen Sohnes oder später die blökenden Schafe: Sie sind perfekt dargestellt - und die Bilder bleiben haften.

Im zweiten Akt erklingt das wunderschöne "Mit Dir geh'n", die Bühne taucht in grünes und lila Licht - und die Geschichte nimmt ihren Lauf: Judas geht zu den Hohepriestern und verrät Jesus, für 30 Silberlinge. Still ist es, als Jesus sich hinsetzt, das Brot bricht und sagt: "Nehmt, esset - das ist mein Leib, das ist mein Blut." Dann wird es schlagartig wieder laut: "Bereitet dem Herrn seinen Weg." Die Jünger überwinden den Schock der Kreuzigung, denn Jesus hat sie zu einer festen Gemeinschaft werden lassen. - Das Publikum jubelt, steht auf, klatscht, ruft Bravo: Verdienter Applaus für ein fantastisches Ensemble.

Einziges Manko: Die Aufführung fand in der Aula des Schulzentrums statt, weil die Kirche immer noch Baustelle ist. Aber vielleicht wagt sich die Martin-Luther-Gemeinde Edemissen ein zweites Mal an Godspell heran, wenn die Kirche fertig ist?

Bettina Stenftenagel, Edemissen

© Peiner Allgemeine Zeitung, 08. Februar 2002

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