Friedenskirche: "Mit Engeln durch das Jahr"

Die Hauptakteure des gottesdienstlichen Gesamtkunstwerkes in der Friedenskirche (von links): Pastorin Meike Riedel, Sängerin Hanna Jursch, Pianist Valentin Brand und Liedermacher Pastor Fritz  Baltruweit sowie einer der vier Engel, hier der Schutzengel, die Fritz B. Kelm in Acryl auf die Leinwand gebracht hatte.

Foto: Thomas Gasparini

Von Thomas F. W. Niemeyer

(Februar 2002) PEINE. Beeindruckt, vielleicht ergriffen, stehen wir in den Kirchen dieser Welt vor den großen Werken alter Meister, die biblische Geschichten in Öl auf Leinwand oder als Fresken an Decken umsetzten. Ähnliche Kunst - jedoch aus dem Hier und Jetzt - erlebten am Sonntag die Gottesdienstbesucher in der Peiner Friedenskirche.

Es war ein Fest, das Pastorin Meike Riedel unter das Motto "Du bist ein Engel - von Gott geschickt" gestellt hatte. Im Mittelpunkt standen statt der Predigt Meditationen über vier Engel-Gemälde, die der Hannoveraner Künstler Fritz P. Kelm im vergangenen Jahr gemalt hatte. Musikalisch vervollkommnet wurde der Gottesdienst von einem Trio, das die Besucher zum Abschluss sogar mit jazzigen Klängen überraschte, überwiegend auch erfreute. Pastor Fritz Baltruweit, der zu Recht als "Reinhard Mey der Kirchenmusik" bezeichnet wird, sorgte zusammen mit Sängerin Hanna Jursch und Valentin Brand am E-Piano für manchen Hörgenuss.

Als Gesamtkunstwerk erschlossen sich Gemälde, Musik und Wort spätestens bei Meike Riedels leicht nachvollziehbaren Meditationen zu den an der Rückwand angebrachten Bildern, einfühlsam untermalt vom Pianisten. Ergänzt wurde jede Meditation durch die Lesung einer passenden Bibelstelle und durch eine Strophe von Baltruweits just zu diesen Bildern komponierten Liedes "Du bist ein Engel".

Da blieb nichts dem Zufall überlassen, sondern war Teil einer ausgefeilten Komposition. Wie die vier Engel-Gemälde, so bildeten auch die akustischen und sprachlichen Anteile eine logische Einheit. "Mit Engeln durch das Jahr" heißt die Ausstellung, die mit dem Gottesdienst eröffnet wurde und exakt einen Monat lang in der Friedenskirche bleibt.

Den Auftakt bildet der Engel als "Bote" vor dunkler Tür, ein Frühlingsbote quasi. Selbst dunkel bringt er, so Meike Riedel, eine lichte Botschaft. Im Lebenslauf steht er für die Geburt. Der Lichtkreis wandert auf den vier Gemälden wie der Sonnenkreis von links unten nach oben, um am Ende unten rechts sein Licht zu verlieren. Dort steht denn auch der "Todesengel", allerdings vor der Tür, die mit ihrem blauen Schimmer die Hoffnung auf ein ewiges Licht in einer anderen Welt erweckt.

Zwischen Geburt und Tod, zwischen Frühling und Winter, stehen die helleren Gemälde der Lebensmitte, des Sommers und Herbstes: "Lichtbringer" und "Schutzengel" hat Kelm sie genannt. Die auch ihnen innewohnenden Kontraste von Hell und Dunkel, von Schutz und Bedrohung gab Brand durch freundliche und grollende Klänge unter den Texten der Pastorin wider.

Die Reaktionen einiger Besucher zeigten, dass der künstlerische Umgang mit christlichen Glaubensinhalten gewöhnungsbedürftig ist. Warum eigentlich? Die Kirchenmusik eines Johann Sebastian Bach und die Monumentalgemälde eines Tizian waren auch einmal neu und modern, "in" und "hipp" würden junge Leute sagen. Für sie suchten die Akteure den Zugang. Volltreffer!

© Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten, 25. Februar 2002

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