Bischöfin Käßmann zu Gast im Kirchenkreis Peine
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Foto: Isabell Massel |
(März 2002) Geduldige Zuhörerin, höflicher Gast, kompetente Besucherin: Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann lernte gestern bei sieben Terminen in zwölf Stunden das Peiner Land kennen. Es war die 27. Station ihrer Rundreise durch 59 Kirchenkreise. Zum Verschnaufen war kaum Zeit: Gespräche, Gesichter, Politik.
Personalnot brannte Pastoren, Diakonen und Sozialarbeitern auf den Nägeln, mit denen Käßmann ab 9 Uhr in Ölsburg zusammentraf. Weil sie Pflegeleistungen für ein wichtiges Thema hält, sah sich die 43-Jährige mittags im Philipp-Spitta-Seniorenzentrum um. Das Ringen um öffentliche Zuschüsse beschäftigte sie beim Treff mit Mitarbeitern von Diakonischem Werk und Suchtberatung. Doch auch als Käßmann vormittags im Peiner Rathaus empfangen wurde, ging es ums Geld: Bürgermeister Udo Willenbücher klagte, die Rücklagen schmilzen, Landrat Franz Einhaus sah sich als Chef des hoch verschuldeten Kreises "kaum in der Lage, soziale Verpflichtungen zu erfüllen".
"Suchet der Stadt Bestes" schrieb die Bischöfin mit den Worten des Propheten Jeremia ins Goldene Buch - und gab sich beim Glas Sekt entspannt. Als sie nach 20-minütigen Begrüßungsreden endlich zu Wort kam, räumte sie ein: "Auch wir haben Sorgen". Spannungen zwischen Stadt und ländlichen Gemeinden, eine drückende Steuerreform und ein mühsamer Weg von Bürokratie zu mehr Dienstleistung seien in der Kirche zu bewältigen. Pralinen aus dem Schokoland wies sie da gern zurück - nicht aus Diätgründen, sondern weil sie Schokolade nicht mag: bittere Folgen eines einjährigen Studentenjobs bei "Ferrero".
Gutes Beispiel Edemissen
Wenn’s mit dem Bischofsamt mal nicht mehr so läuft, will Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann Pastorin in Edemissen werden. Denn das, was sie gestern bei einem Besuch der Martin-Luther-Gemeinde hörte und sah, gefiel ihr gut: Kirche und Diakonie arbeiten eng zusammen, was nötig, aber nicht überall der Fall sei. Sie werde Edemissen künftig als gutes Beispiel nennen.
Damit die Mitarbeiterinnen nicht mit der Stoppuhr arbeiten müssen, wie die Pflegekassen es fordern, unterstützen Gemeinde und Förderverein die Diakoniestation, berichtete Pflegedienstleiterin Helga Raudßus der Landesbischöfin. "Wir wollen den Menschen ganzheitlich sehen", sagte Raudßus, was Käßmann unterstrich. Dies sei ein "Marktvorteil" der Diakonie. Jeder Mensch werde alt und könne in die Situation kommen, Pflege zu brauchen. Keiner wolle dann im Schnellverfahren versorgt werden. Diejenigen, die die "Stoppuhr-Entscheidungen" treffen, "müssten sich mal in 14 Minuten waschen und anziehen lassen", sagte Käßmann. Wie es mit der Privatkonkurrenz in Edemissen denn aussehe, wollte sie wissen. Raudßus: "Es gibt viele private Anbieter, aber sie tun uns nichts." Die Diakonie-Station Edemissen versorgt zurzeit in verschiedenen Einsätzen 70 Patienten.
Im Weiteren drehte sich das Gespräch in lockerer Atmosphäre um das Selbstverständnis von Kirche. Pastor Detlef Lienau hatte eingangs zu einer Vorstellungsrunde aufgerufen, was Superintendent Dr. Wolf-Dietrich Köhler angesichts der rund 30 Personen einen Zwischenruf entlockte: "Aber vorher Kaffee."
Michael Kothe/Bettina Stenftenagel, Kreis Peine
© Peiner Allgemeine Zeitung, 2. März 2002
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