Requiem für eine christlich motivierte Band
|
Foto: Sven Diestelhorst |
(März 2002) Das war wirklich das Letzte! Wie immer provokant, wie gewohnt engagiert und wie erwartet kämpferisch. Der letzte Konzertton verklingt, die Scheinwerfer verlöschen, und im Halbdunkel des Altarraumes von St. Jakobi umarmen sich im Applaus des Publikums die Musiker der Gadenstedter Gruppe Ichthys.
Zwölf Jahre haben sie miteinander nicht nur musiziert, sondern sich in ihren Texten zu Gott, seiner Liebe und zu den Menschen bekannt. Und das kam an, wie die Besucherzahlen zeigten, und zwar an vielen Konzertorten "von Lahstedt bis Leipzig und von Dortmund bis Dedenhausen", wie die Chronik berichtet.
Am Samstag gaben sie im Rahmen des "Kirchenmärzes" als "Nacht der leisen Töne" ihr letztes Konzert. Fröhlich und leicht und ohne den Auftritt mit Abschiedsschmerz zu überfrachten. Und weil, wie meist bei Veranstaltungen dieser Art, die filigranen Texte von der elektronischen Klangdampfwalze zerquetscht werden, gab es die Worte gedruckt für das Publikum. So drangen Musik und Wort dorthin, wohin sie gehören: Unter die Haut und ins Herz. Verlangt wird, als "Salz der Erde" denen "die Suppe zu versalzen, die mit Größenwahn regieren". Da nickt der Christ beifällig, denn so deutlich hat er das Evangelium noch nicht erklärt bekommen.
Aber hat er auch schon bemerkt, dass "Computer-Inder" die "besseren Ausländer" sind, denen "der rote Teppich ausgelegt wird", und nicht "den Fremden, die nichts nützen?"
Von Bandchef Lothar Veit stammen die meisten Texte, oft brutal statt brav aber bemerkenswert statt nur vorbeiplätschernd. "Gott wird Atheist, wenn ihr alles besser wisst", droht die Band, die sich aus dem Griechischen übersetzt "Der Fisch" nennt und aus dessen Anfangsbuchstaben sich das Griechische "Jesus Christus, Gottes Sohn, der Erlöser" buchstabiert.
Zum Abschiedskonzert spielen sie nicht nur Bekanntes. Gegen Gedankendumpfheit fordern sie: "Bei Heimatklang und Leitkultur hilft dir eine Entgiftungskur". Das Publikum quittiert sein Empfinden durch den Beifall: Mal nachdenklich zurückhaltend, mal enthusiastisch feiernd. Und zum Schluss des zweistündigen pausenlosen Requiems kämpft das Ensemble dann doch kollektiv gegen den Abschiedsschmerz. Viel verbindet: Gesungenes, Gesagtes und Ungesagtes. Sie werden nicht mehr als Band auftreten, erklären sie. Wegen Ortswechsels, Berufs und Studiums. Aber eine "Familie" wollen sie bleiben. Der Applaus verebbt, das Licht verlischt. "Salz der Erde" zu bleiben, verlernt man nicht.
Ulrich Jaschek, Peine
© Peiner Allgemeine Zeitung, 3. März 2002
zurück