Männerchor "Zimrah" - ein Genuss für die Sinne
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Foto: Henrik Bode |
Von Marc Halupczok
(März 2002) SOSSMAR. Als "ungewöhnlich" war jetzt das Konzert in der evangelischen Kirche in Soßmar angekündigt worden, und diese Umschreibung versprach nicht zuviel. Im Gegenteil, der jüdische Kammerchor "Zimrah" begeisterte die Zuhörer restlos.
Die neun Sänger unter der Leitung von Leonid Bar entstammen dem Chor der Moskauer Synagoge und haben sich vor einiger Zeit mit ihrem Programm selbständig gemacht. Dieses beinhaltet größtenteils Lieder aus der jüdischen Liturgie, zur Auflockerung werden aber auch russische Folklorestücke geboten.
Der Chor kann auf erfolgreiche Tourneen durch die USA und Kanada zurückblicken, hat in den großen Synagogen von London, New York und Jerusalem gesungen und durfte im vergangenen Jahr sogar mit dem Star-Tenor Placido Domingo zusammenarbeiten. Mikhail Gorbatchov bezeichnete die Moskauer einst als "einen nationalen Schatz russisch-jüdischer Kultur" und fügte hinzu, dass er "stolz sei, diesen Chor mit der Welt zu teilen."
In leicht dezimierter Formation - einer der Sänger war krankheitsbedingt ausgefallen - präsentierte "Zimrah" in Soßmar mit großer Spielfreude das gut 90-minütige Programm. Anfangs noch etwas zurückhaltend, gingen die Sänger nach und nach immer mehr aus sich heraus. Mit großen Gesten intonierten sie ihre Lieder, sorgten auf der anderen Seite aber auch dafür, dass die Veranstaltung nicht zu einem trockenen Vortrag geriet. Ein Augenzwinkern hier, ein Lächeln da, ein Händeschütteln dort. Ja, auch Stücke mit religiösem Inhalt dürfen Spaß machen.
Gerhard Hummer, der durch das Programm führte, merkte trefflich an, diesen Humor gebe es bedauerlicherweise in der christlichen Liturgie nicht - wohl wahr. Das Publikum jedenfalls feierte "Zimrah" nach allen Regeln der Kunst. Das donnernde Geklatsche und Getrampel fand seinen Höhepunkt, als der Chor - dem Gastgeber zu Ehren - das Jägerlied aus dem Freischütz anstimmte. Da wackelten im wahrsten Sinne des Wortes die Fenster des ehrwürdigen Gotteshauses.
Wer diesen Chor der Extraklasse live erleben möchte, hat am Sonntag, 10. März, ab 20 Uhr in der Peiner Jakobi-Kirche Gelegenheit dazu.
© Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten, 9. März 2002
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