Bibelwoche: Gott ist nicht eingezäunt
(März 2002) "Wort zum Sonntag" von Pastor Klaus Henze, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), in der Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten vom 9. März 2002:
In den vergangenen Tagen versammelten sich evangelische und katholische Christen gemeinsam zur ökumenischen Bibelwoche, die in diesem Jahr zum 20. Mal stattfand und unter dem Thema "Wege in die Freiheit" stand. Zugrunde gelegt waren Texte aus dem 2. Buch Mose (Exodus). Im Rahmen des "Kirchen-Märzes" werden noch weitere Veranstaltungen folgen, die das Römisch-Katholische Dekanat Peine, der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Peine und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) gemeinsam organisiert haben.
Am Donnerstag ging es in einem Gesprächsabend in der Christuskirche um die Geschichte vom goldenen Kalb. Sie kennen sie vielleicht: Mose ist auf dem Berg Sinai. Die Begegnung mit Gott dauert länger als erwartet. Das Fußvolk am Bergesrand ist verunsichert, von Gott ist nichts zu spüren. Da macht es sich selber einen Gott und gießt sich die Figur eines Jungstieres aus Gold. Und Aaron als Priester macht bei der ganzen Sache mit. Dann fällt das Volk vor dem Stier nieder, was trösten und helfen soll, gerade wenn von der eigentlichen Nähe Gottes nichts zu spüren ist. Anschließend feiert es ausgelassen, darf es doch sichtbar machen, wie wertvoll ihm Gott geworden ist.
Doch Gott ärgert sich über das Bild. Und als Mose vom Berg herabkommt und die Megaparty seht, gerät er in Zorn. In seinem leidenschaftlichen Engagement fürs Volk tritt er vor Gott ein. Und Gott zeigt sich flexibel und lässt sich umstimmen. Der ursprüngliche Vernichtungsbeschluss wird revidiert. Der Text lädt an dieser Stelle ein, die eigenen starren Bilder von Gott aufzugeben und sich auf ein lebendiges Gespräch mit ihm einzulassen.
Doch das ist nicht alles. Er enthält auch eine scharfe Warnung, sich Bilder von Gott zurechtzulegen. Wer immer sich auf (s)ein Gottesbild verlässt, wird es schwer haben, wenn Gott ihm anders als erwartet begegnet. Das Stierbild steht dabei für alle uns liebgewordenen Gedanken und Eigenschaften von Gott. Man denke an die Redewendung vom "lieben Gott". Sie klingt so, als ob ein Hundebesitzer einem vorübergehenden Passanten zuruft: "Der ist lieb", woraus der ängstlich dreinschauende Passant dann schlussfolgern darf: "Der tut nichts."
Übertragen hieße das: Gott ist lieb, nicht nur solange er nichts, sondern weil er nichts tut; weshalb man ja auch keine Angst vor ihm haben muss. Andere sehen in Gott einen alten gutmütigen Mann, der nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist und dem man deshalb auch nicht mit allem kommen kann.
Gott lässt sich nicht festlegen, weder mit einem Stierbild auf Stärke noch mit anderen Formen und Formeln. Bilder engen ein, und das führt zu einer Unfähigkeit, ihn außerhalb der selbst gezimmerten Bilder und Denkmuster wahrzunehmen. So wird Gott zum Götzen. Man hat dann für die verschiedenen Bereiche den Minigott, einen für den Sonntag, einen für die Liebe und einen für den Krieg. Menschliches Vertrauen wird gesplittet und damit zersplittert.
Doch Gott ist in seiner Wirksamkeit nicht eingeschränkt, geschweige denn eingezäunt. Er ist für alle Bereiche des Lebens zuständig, auch da, wo wir ihn nicht wahrnehmen. Er möchte, dass wir ihm allein vertrauen, ihm als Person und eben nicht den Bildern, die wir uns von ihm machen. Jesus Christus hat uns Gott gezeigt. An ihm ist abzulesen, wer er ist und was er will. Alle eigenen Gottesbilder sind an ihm zu revidieren.
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