Kritik an Hubertusmessen

Von Thomas Uhrmacher

(März 2002) PEINE. Einen Streit vom Zaun gebrochen hat der in Peine und im umliegenden Landkreis hinlänglich bekannte Biologe Professor Hans Oelke. Die Hubertusmessen, die im Spätherbst von den Kirchen in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft gefeiert werden, sind dem Mitglied der Peiner Biologischen Arbeitsgemeinschaft und jetzigem Stadtratsmitglied der Peiner Bürgergemeinschaft (PB) ein Dorn im wissenschaftlichen Auge.

Der Vorsitzende der Jägerschaft Peine, Karl-Heinz Thiele, wusste denn auch während der jüngsten Versammlung der Kreisjägerschaft Oelkes schriftliche Bemühungen, den Hubertusmessen Einhalt zu gebieten, ausführlich zu würdigen. Oelke hatte sich nämlich in Schreiben vom vorigen Monat an die Chefs der beiden Konfessionen in Peine, an den Katholiken Dechant Konrad Sindermann und an den Lutheraner Dr. Wolf-Dietrich Köhler, gewandt und gewettert, dass in Kirchen beider Konfessionen Hubertusmessen gefeiert worden seien, namentlich in der Friedenskirchengemeinde und in der katholischen der Heiligen Engel.

Der Biologe im Wortlaut: "Mit Hubertusmessen lassen sich nach unserer Auffassung Jagd und Jagdorganisationen für ihre Zwecke durch die Kirchen freisprechen und instrumentalisieren. Wenn mit den Hubertusmessen getreu dem Vorbild des heiligen Hubertus anerkannt würde, dass auch Tiere zu Gottes Schöpfung gehören und der Jagd als dem Töten von Tieren entsagt würde, würden wir keinen Widerspruch erheben." Entgegen allen Beteuerungen der Jäger sei Jagd kein angewandter Tier- und Naturschutz, sondern "eine primär und final auf das Töten von Tieren ausgerichtete Tätigkeit, die im Peiner Raum nicht von Berufsjägern oder qualifizierten Biologen, sondern vorwiegend von Hobbyisten und Laien ausgeübt wird", erklärt Oelke weiter.

Besonders scharf verurteilt wird von dem Biologen der Abschuss oder die Fallenjagd von Steinmardern, Baummardern, Iltissen, Hermelinen und Dachsen, die im Landkreis Peine bejagt werden, die aber auf der "roten Liste" bedrohter Tierarten stehen. Wie Professor Oelke auf Nachfrage der Peiner Nachrichten sagte, hätten die Jäger "ökologische Vorstellungen, die tief im 18. Jahrhundert wurzeln". Heute erfolge eine natürliche Auswahl oder Regulation der Wildtierbestände nicht mehr durch den Jäger als Ersatz für Wolf oder Bär, sondern unter anderem durch Nahrungsangebot oder Wettereinflüsse. Gegen künftige Hubertusmessen kündigt er "Aktionen" an.

Dechant Sindermann hat bislang auf die Oelke-Vorwürfe überhaupt nicht geantwortet. Sein evangelischer Kollege Köhler dagegen schreibt: "Ihre Bedenken gegen Hubertusmessen kann ich nicht teilen. Ich erlebe die Kreisjägerschaft in Funktion und Person als verantwortliche Heger und Pfleger; angesichts des Fehlens natürlicher Feinde vieler Wildtiere erscheint es mir utopisch, auf Regulative zu verzichten. In Hubertusmessen, denen ich beigewohnt habe, wurde keinesfalls das Töten und Vernichten von Tieren verherrlicht, im Gegenteil die Notwendigkeit einer waidgerechten Hege und Pflege betont. Spektakulären Widerstandsaktionen sehen wir gelassen entgegen."

Der Jägerschafts-Vorsitzende Thiele bewahrt auch Gelassenheit: "Jeder kann sich seinen Reim darauf machen, was er von Herrn Oelke hält. Wir werden jedoch im Auge behalten, dass er Aktionen ankündigt. Wir werden uns dennoch nicht beirren lassen, unsere Traditionen fortzuführen." Hubertusmessen sind in der Peiner Friedenskirche und in Edemissen geplant.

TRADITION DER HUBERTUSMESSEN
Der heilige Hubertus, geboren 655, war Bischof in Maastricht und Lüttich. Die an ihn geknüpfte Legende, in der ihm als Jäger ein Hirsch mit einem Lichtkreuz im Geweih erschien, was ihn fürderhin zu jagdlicher Abstinenz bewog, beruht auf einer indischen Legende, die den Jäger zur Achtung des Wildes als eines Teiles der Schöpfung bewegen will. Eine Hubertusmesse ist ein Gottesdienst, in den meist Parforcehornbläser einbezogen werden, die den Part von Orgel oder Chor übernehmen. Diese Messen erfreuen sich im deutschsprachigen Raum wachsender Beliebtheit, in Frankreich gehören sie von Alters her zum Kirchenjahr. Die Gottesdienste dienen der Danksagung.

© Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten, 11. März 2002

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