Vortrag zum Thema "Christsein und Wirtschaft"
 |
Fotos: Veit/Rothermund |
(März 2002) PEINE (lv) Christlicher Glaube und Wirtschaftsleben - verträgt sich das? Diese Frage sollte Dr. Winfried Balke, Abteilungsleiter für Aus- und Fortbildung bei der Nord LB, im Rahmen des Ökumenischen Kirchenmärzes am Montag im Peiner Forum beantworten. Obwohl der Kirchenkreis Peine Hunderte von persönlichen Einladungen an Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Politik verschickt hatte, fanden nur rund 40 Zuhörer den Weg ins Forum.
Diese wurden nicht nur mit den Thesen eines leitenden Bankangestellten konfrontiert, sondern zudem mit einem "entschiedenen Christen", wie Balke (61) sich selbst bezeichnete. Vor rund 20 Jahren habe er zu seinem Glauben an Jesus gefunden und ihm sein Leben übergeben. Direkte Auswirkungen auf seinen beruflichen wie privaten Alltag seien die Folge gewesen. Bevor der Abteilungsleiter, der einer Freikirche in Hannover angehört, ins Thema einstieg, versuchte er zunächst eine Abgrenzung: Christlicher Glaube sei für ihn weder "christlich angehaucht sein" noch "an ein höheres Wesen glauben" noch "die Zugehörigkeit zu einer Kirche". Entscheidend sei vielmehr eine "persönliche Beziehung des Herzens zu Gott".
Als bewusster Christ habe man den Vorteil, so Balke, den Anforderungen des Wirtschaftslebens besser gewachsen zu sein. Wichtige Entscheidungen könne man vorher mit Gott besprechen, man könne um die richtige Antwort beten. Ihm selbst habe die Bibellektüre schon in vielen Situationen Orientierung gegeben. Auch der Sinn der Arbeit sei ihm klarer geworden. "Arbeit ist kein Fluch, den Gott nach dem Sündenfall über uns verhängt hat, sondern Teil des schöpferischen Auftrags", war sich der Referent sicher. Dazu gehörten Werte wie Einsatzbereitschaft, Pflichtbewusstsein, Gehorsam und Treue, "auch wenn diese Begriffe derzeit nicht modern sind". Die Bibel habe im Buch der Sprüche zur Arbeitsmoral einen Tipp parat: "Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!" (Sprüche 6,6)
Außerdem widmete sich Balke der Frage, ob ein Christ nach Erfolg und Macht streben dürfe. Er selber habe, so sei ihm später klar geworden, lange Zeit unbewusst gebetet: "Herr, lass mich Karriere machen." Inzwischen sei ihm allerdings ein weiteres biblisches Wort zur Richtschnur geworden: "Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn." (Kolosser 3,17) Balkes Fazit: "Ich habe für mein Tun einen gültigen Maßstab gefunden, der mich auch Durststrecken besser bewältigen lässt."
Die Eindeutigkeit der Statements forderte das Publikum zu Nachfragen heraus. Wie lasse sich Balkes Arbeitsethos mit der wachsenden Arbeitslosigkeit in Einklang bringen? Welche Position habe er zur steigenden Macht des Geldes und der Wirtschaft, an der gerade auch die Banken beteiligt seien? Wer hier unbequeme Antworten und selbstkritische Einschätzungen der eigenen Branche erwartete, wurde enttäuscht. Dr. Winfried Balke, der mehrfach betonte, einem "guten Unternehmen" anzugehören, zog sich auf seinen eigenen Verantwortungsbereich zurück. Natürlich sei Arbeitslosigkeit schlimm, natürlich gebe es Fehlentwicklungen im Bankenwesen - Ende der Durchsage. Ein Zuhörer wurde deutlich: "Nach ihrem Vortrag finde ich solche Antworten sehr schwach." Superintendent Dr. Wolf-Dietrich Köhler, der die Diskussion moderierte, lag wohl richtig, als er zum Ende der Veranstaltung feststellte: "Es schweben noch einige Fragen im Raum, die nicht ausgesprochen worden sind".
© Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten, 12. März 2002
zurück